Samstag, 15. September 2012

Slumdog Millionaire

Nichts geschieht ohne Grund.
Dieser überaus viel gelobte Film, wird den dadurch erzeugten Erwartungen nicht ganz gerecht, erzählt aber trotzdem auf beeindruckende Art und Weise ein Einzelschicksal. Die Geschichte handelt vom niemals Aufgeben, dem blanken Überleben und natürlich ganz viel Liebe.
Die verschiedenen Handlungsstränge sind immer wieder so miteinander verbunden, dass es spannend bleibt und man nie ganz genau weiß, was wohin führt- abgesehen vom Ende, das ist von Anfang an ziemlich klar.
Der Film von Danny Boyle (Trainspotting) lebt hauptsächlich von den Charakteren und an der Besetzung gibt es wirklich nicht viel zu meckern. Im Gedächtnis bleibt einem natürlich Dev Patel als Jamal Malik, der bereits in der britischen Jugendserie Skins glänzte und auch im Best Exotic Marigold Hotel zu sehen ist.
Ob allein, oder mit Freunden, wer Lust auf eine tolle Geschichte hat, ist mit diesem Film auf jeden Fall gut beraten.

Freitag, 3. Februar 2012

Ziemlich beste Freunde (Intouchables)

Was für ein Film! Der Film ist genau das, was man von Titeln und Plakat erwarten darf. Und so oft gibt es auch keine französischen Blockbuster, der Streifen ist großartig!
Ein reicher Querschnitzgelähmter sucht einen neuen Pfleger... und entscheidet sich für einen jungen schwarzen Mann, der gerade aus dem Gefängnis kommt. Dieser junge Mann hat kein Mitleid, keinen Anstand und so wie es aussieht auch keinen Respekt, dafür aber eine Menge Humor. Sein Arbeitgeber hingegen liebt Kunst, das Fliegen und intelektuelle Konversationen.
"Ziemlich beste Freunde" beruht auf einer wahren Begebenheit und das verleiht dem ganzen auch seine unglaubliche Kraft. Es geht um zwei grundverschiedene Menschen die in Freundschaft zueinander finden. Es geht um Selbstbestimmung und Lebensqualität, um politisch inkorrekten Humor, Respekt und Menschlichkeit. Es geht darum in den eigenen Schuhen laufen zu können... oder eben auch nicht.
Besetzung und Umsetzung werden der Geschichte gerecht und tretn gegenüber dieser spannenden Kombination doch in den Hintergrund. Man denkt an keinen Namen mehr, keinen früheren Film, sondern sieht nur die dargestellte Person. Und das ist das höchste Lob bei einem Film mit realem Hintergrund, das ich habe!
Der Film ist ein riesengroßer Spaß, der alles mitnimmt und dazu noch berühren kann. Es bestätigt sich wieder einmal, dass keine noch so gute Besetzung und kein astronomisches Budget eine gute Geschichte ersetzen kann!
Ob allein, mit Freunden oder Familie, dieser Film lohnt sich immer!

Eine dunkle Begierde (A dangerous method)

Viggo Mortensen  (Der Herr der Ringe), Vincent Cassel (Staatsfeind Nr. 1), Michael Fassbender (X-Men: First Class) und Keira Knightley (Fluch der Karibik) in einem Film von David Cronenberg (Tödliche Versprechen) über Sigmund Freud und seinen Freund Carl Jung. Da schlägt nicht nur Hobbypsychologen das Herz höher.
Die Geschichte ist ein typische Keira Knightley Film, beruht aber auf einer wahren Begebenheit. Die Geschichte ist ähnlich wie die, der Anna O.. Eine junge Frau mit psychischen Problemen, ein Therapeut mit eigenen und ganz gemäß Hollywood: Sex. Im Gegensatz zu Anna O. ist Sabina Spielrein (Keira Knightley) eine Patientin eines 'Schülers' oder 'Bewunderers' von Freud (Viggo Mortensen), nicht seines Lehrers.

Neben der breit inszenierten Liebesgeschichte wird immerhin die fachliche Seite ein wenig beleuchtet. Freud wird so dargestellt, wie ich ihn mir schon immer vorgestellt habe: autoritär, unnahbar, selbstsicher, Zigarre rauchend und von sich eingenommen aber doch am wissenschaftlichen Diskurs interessiert. Mortensen leistet ganze Arbeit, was ihn betrifft. Eigentlich war ja Christoph Waltz für die Rolle vorgesehen, der hat den Eletieren aber lileber H2O verabreicht. Mit Mortenses Freud möchte man sich einfach unterhalten, erfahren, was er zu eigenen Erkenntnissen sagt, ihm zuhören- eine wirklich gute Darstellung.
Herr Fassbender wird in einschlägigen Magazinen als aufstrebender Charaktrdarsteller gehandelt. So ganz füllt er diese Erwartungen nicht aus. Er spielt wieder einen strengen, selbstdisziplinierenden Mann, der sich selbst im Weg steht. Neu ist die Schwäche und die Verletzlichkeit, die er in diesem Film zeigt. Er zeigt Jung als einen im Schatten Freuds aggierrenden Charakter, der mit sich selbst nicht klar kommt und seinen Hang zur Esotherik wissenschaftlich zu ergründen versucht.
Viele Schaupspieler haben ihrer Karriere schon einmal einen Schubser nach Oben verleihen können, indem sie jemanden mit psychischer oder kognitiver Beeinträchtigung gespielt haben (Johnny Depp, Leonardo diCaprio, Angelina Jolie,...). Sicher es ist nicht einfach: und doch, sie macht es nicht schlecht. Die Spasmen, das stereotype Verhalten, manchmal übertreibt Frau Knightley aber auch ein bisschen, aber lass uns das auf Hollywood schieben. Das Fräulein Spielrein ist eine Rolle mit vielen Facetten, die Frau Knightley alle gut ausfüllt. Aber so richtig will der Funke dann letzten Endes doch nicht überspringen.
Und warum Vincent Cassel in den letzten paar Jahren immer wieder die Hedonistenrollen bekommt ist mir auch ein Rätsel. Gerade er kann nun wirklich einiges mehr!

Der Film als Ganzes ist irgendwie zu klinisch, zu sauber. Es sind immer wieder die gleichen pathetischen Kameraeinstellungen mit Spielrein im Vordergund, Jung im Hintergrund. Die Bilder sehen immer aus wie Gemälde und entwickeln keine richtige Dynamik. Das Gesamtbild bleibt zudem auch unbetrachtet. Es wird noch gezeigt, dass Spielrein selbst Psychologin wird und sich auf Kinderpsychologie spezialisieren will. Dass sie es aber auch ist, die PIAGET irgendwann acht Monate lang therapiert, bleibt ungesagt. Wie eng das genze Geflecht der Psychoanalyse zusammenhängt und wie viele selbst therapiert wurden und was davon heute noch besteht, wird ab und an mit kryptischen Andeutungen und Floskeln abgespeist.
Den Film auf englisch zu sehen ist eine Herausforderung. Es ist mir nicht ganz klar WAS für einen Akzent die Schauspieler vorgeben zu haben, aber gerade Herr Mortensen ist wirklich schwer zu verstehen.

Im Großen und Ganzen gilt: Interessanter Film, aber mehr Oberfläche als Inhalt. Hübsch anzusehen und gute Besetzung, sehr gut durch das überbearbeitete Plakat illustriert.

Mittwoch, 25. Januar 2012

The Girl with the Dragon Tattoo

Wie es eben so ist, wenn sich in Europa oder sonstwo außerhalb von Hollywoods Reichweite ein toller Film (in diesem Fall gleich eine ganze Reihe) entwickelt, kann man sich diese Gelegenheit natürlich nicht engehen lassen. Knapp drei Jahre nach dem Erscheinen des schwedischen Films ist 'The Girl with the Dragon Tattoo' in die Kinos gekommen und verspricht für sich und seine beiden Nachfolger hohe Verkaufszahlen.
Immerhin wird dem Stoff aus Stieg Larssons Millennium Trilogie der entsprechende Respekt gezollt und es werden nur kompetente Menschen ans Werk gelassen. Allen voran Regisseur David Fincher (Fight Club). Daneben gibt Daniel Craig (James Bond) den Mikael Blomkvist und die blutjunge Rooney Mara übernimmt mit Lisbeth Salander eine der komplexeren Hauptrollen, die aktuell im Kino zu sehen sind und bekam auch direkt eine Oscar- Nominierung als beste Hauptdarstellerin.
Der Film an sich kann bei der Handlung gar nicht anders als ein Erfolg werden, wenn man vernünftig  mit dem gegebenen Material umgeht. Er ist düster, komplex, spannend und zeitweise ziemlich brutal. Beide Hauptdarsteller leisten sehr gute Arbeit, auch wenn man sich fragen muss warum Herr Craig immer so seine Lippen vorschiebt.. Ansonsten sieht er sogar fast ein wenig zu gut für den Mikael Blomkvist aus, doch so ist nunmal Hollywood. Rooney Mara überzeugt ebenfalls als dunkler Racheengel, Hacker und coole Ermittlerin, auch wenn sie schon wieder ein wenig zu verletzlich ist.
Doch wer anderen etwas nachmacht, muss damit rechnen verglichen zu werden. Nennt mich parteiisch, aber ich konnte nichts finden, was in dieser Version BESSER ist als in der schwedischen. Zum Beispiel wurde die Handlung an einigen Stellen verändert- das ist nicht weiter tragisch, aber es stellt sich die Frage was jetzt näher am Buch ist... Der größte Unterschied ist Lisbeth. Man merkt eindeutig, dass Rooney Mara um einiges jünger ist als Noomi Rapace. Ihre Lisbeth Salander ist weicher und irgendwie auch ein kleines bisschen schwächer- und das passt nicht zu dem, was diese Rolle eigentlich ausmacht, es ist ihr ein wenig der Tiefgang verloren gegangen. Dazu kommt noch mehr Sex als im schwedischen Film und es stellt sich die Frage: ist ja alles gut und schön, aber muss das jetzt unbedingt sein? Hollywood eben.

Der Film hat gar keine andere Wahl als gut zu sein, weil die Vorlage großartig ist. Aber wem die Entscheidung mögllich ist: der schwedische Film ist besser! Trotzdem ein spannendes Filmabenteuer in jeder Konstallation ohne Kinder.

Millennium Trilogie

Es waren zehn Bücher geplant, drei konnte Stieg Larsson noch schreiben bevor er starb. Posthum wurden diese drei Bücher zu Bestsellern: Verblendung (schwed.:'Männer, die Frauen hassen'), Verdammnis ('Das Mädchen, das mit dem Feuer spielte') und Vergbung ('Das Luftschloss, das gesprengt wurde'). 2009 wurden die schwedischen Verfilmungen dieser drei Romane veröffentlicht, Hollywood hat bereits nachgezogen.
Die Handlung: Hauptcharaktere sind Mikael Blomkvist (Mikael Nyqvist- Wie im Himmel), ein Enthüllungsjournalist. Einer der letzten Guten, die noch an etwas glauben; und Lisbeth Salander-exzentrisch, schicksalsgebeutelt, düster. Im ersten Teil wird Blomkvist vom Oberhaupt eines Familienkonzerns nach einer journalistischen Pleite angeworben ein Familiengeheimnis zu lösen: einen 40 Jahre zurückliegenden, unaufgeklärten Mord an seiner Lieblingsnichte. Als der Fall sich entwickelt, Blomkvist aber immer wieder vor Sackgassen endet, holt er sich Hilfe von einer jugen Hackerin, die ihn schon für seinen Auftraggeber gründlich durchleuchtet hat.
Lisbeth Salander (Noomi Rapace) hat zu diesem Zeitpunkt schon die ganze Aufmerksamkeit des Zuschauers. Sie verlor eine ihrer wichtigsten Bezugspersonen, bekam einen neuen Vormund, wurde mishandelt hat sich gerächt. Man bekommt innerhalb der ersten halben Stunde eine Ahnung davon wie vielschichtig diese junge, schwarz gekleidete Frau mit dem Piercings tickt. Und trotzdem hat man immernoch nicht die geringste Ahnung wer sie eigentlich ist.
In 'Verblendung' werden gleich drei Fälle gelöst. Es spricht Neonazismus, Frauenhass, Familienstrukturen, Macht und noch einige andere zwischenmenschliche Vorkommnisse an. 'Verdammnis' und 'Vergebung' befassen sich dann noch mehr mit Lisbeth, ihrer Vergangenheit, ihrer Geschichte, ihren Motivationen. Diese junge Frau mit dem fotografischen Gedächtnis kann eiskalt sein und fasziniert über die komplette Länge dieser drei Filme.

Das einzige worüber ich meckern kann, ist dass die Handlung in 'Vergebung' ein wenig zu sehr an Bodenhaftung verliert. Es ist aber auch wirklich auch nur ein bisschen. Und es ist doch ganz schön brutal, zumal die Gewalt auf persönlicher Ebene stattfindet und damit noch mehr mitnimmt. Ich würde mich auf keinen Fall als Thriller- Fan bezeichnen, aber ich war widerwillig begeistert, von der ersten Minute an!
Die Filme, sind düster, spannend, komplex und haben diesen klassischen schwedischen Stil eine Geschichte immer mit einer gewissen Ruhe zu erzählen. Die Schauspieler sind authentisch und alles andere wird von dieser faszienierenden Geschichte einfach mitgerissen und kann gar nicht anders oder schlechter sein. Absolut aufmersamkeitbindend, ob allein oder in der Gruppe. Großartig!

Sherlock Holmes- Spiel im Schatten

Die Mehrteilermanie mach auch vor Sherlock Holmes nicht Halt. Der erste und komplett neu interpretierte Teil über den exzentrischen Detektiv von Regisseur Guy Ritchie war verdienterweise sehr erfolgreich. Neu, schnell, anders, witzig und spannend.
Teil zwei kann da leider nciht mithalten. Das Konzept ist nicht mehr neu, auch wenn es viele neue Figuren gibt. Sherlock Holmes (Robert Downey jr.- Ironman ist plötzlich nicht mehr allein in seinen verschrobenen Sphären sondern bekommt gleich mehrfach Gesellschaft: einerseits natürlich der Endgegner und Holmes Erzfeind Professor Moriarty (Jared Harris). Dazu kommen aber noch der große Bruder Mycroft Holmes (Stephen Fry- Oscar Wilde) und Madam Simza (neu in Hollywood: Noomi Rapace- Stieg Larsson Trilogie), eine Wahrsagerin mit Kontakten zu der Anarchistenbewegung und natürlich Dr. Watson (Jude Law).
An den Schauspielern lässt sich wirklcih nicht meckern, auch die Stimmung ist genauso schön düster wie beim Vorgänger. Aber irgendwie bleibt der fade Nachgeschmack des zweiten Teils haften. Es bleibt eine Fortsetzung, die sich leider nur im guten Mittelfeld aufhält.
Für leichte Unterhaltnung mit ein bisschen Spannung und Spaß ist der Film auf jeden Fall zu haben. Chips und Freunde eingeschlossen. Zum fesselnden Erlebnis reicht es aber leider nicht.

Parada

Ein Film, der in Serbien einigen Wirbel verursacht hat. Es handelt von dem Versuch, in Belgrad, wo heute noch homosexuel lebende Menschen nur aufgrund ihrer Orientierung verprügelt werden, eine Gay-Pride- Parade zu veranstalten. 
2001 gab es bereits eine Gay-Pride in Belgrad, die in einem Blutbad endete. In 'Parada' versuchen ein Hochzeiten planender Aktivist und sein als Tierarzt arbeitender Partner zusammen mit wenigen anderen einen neuen Versuch zu starten. Es gibt Anschläge, Übergriffe, keine Kooperartion oder Hilfe.
Daneben sieht man einen etwas in die Jahre gekommenen, ehemaligen serbischen Veteranen und Kriminellen. Er leitet jetzt eine Judo-Schule und hat eine Security-Firma. Als sein über alles geliebter Hund angeschossen wird, muss sich ein gewiser Tierarzt mit der Waffe am Kopf um den Viebeiner kümmern. Zeitgleich versucht seine Freundin 'Perle' ihre Traumhochzeit planen zu lassen...
Die Tragikkomödie führt diese beiden ungleichen Paare zusammen, als die geplante Gay-Pride ob des mangelnden Schutzes zu platzen droht. Durch den Druck seiner Geliebten sagt der Security-Boss zu, aber alle seine serbischen Freunde ab. So macht er sich zusammen mit dem Tierarzt in dessen kleinen rosa Wagen auf, zu ehemaligen Kriegsgegnern und alten Bekannten. Es geht nach: Kroatien, Bosnien, Kosovo und Albanien...

'Parada' ist eine illustere Mischung aus Klamauk und Ernst. Der Film wurde von LGBT-Aktivisten als zu klischeehaft kritsiert, nur wie anders hätte man die Serben dazu bewegen sollen, sich den Film anzusehen? (Was sie nachweislich in großen Zahlen gemacht haben)
Regisseur Srđan Dragojević ist kein unbekannter in Serbien und hat sich schon des öfteren kritisch zum Zeitgeschehen geäußert. Doch ganz neben dem Thema der Diskriminierung Homosexueller ist ihm eine nette kleine (natürlich total überzeichnete) Allegorie auf die Menschen in Ex-Jugoslawien gelungen: vom Schnaps über Facebook bis hin zu Haustieren und Nostalgie.
Inzwischen gibt es den Film auch mit englischen Untertiteln und jeder, der sich auch nur ein bisschen für die ein oder andere Thematik in diesem Film interesiert, wird nicht bereuen in sich angesehen zu haben!